Was ist ESO?

Erkenntnisinteresse, Zielsetzung und Methode

Das Projekt „Europäische Sprachkritik Online“ (ESO) zielt darauf ab, die Praxis wertender Sprachreflexion in europäischen Sprachen zu erfassen und vergleichend zu analysieren, um damit den Grundstein einer europäischen Sprachkritikschreibung zu legen.

Sprachkritik wird im Sprechen über Sprache und ihren Gebrauch greifbar und analysierbar. Ausgehend von der Prämisse, dass Sprache Indikator für individuelle und kollektive Denkhaltungen und sprachkulturspezifische Verhaltensweisen ist, fokussiert die Analyse der praktizierten Sprachkritik Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Identitäten in Europa. Im Projektmittelpunkt steht die Erarbeitung einer europäischen und damit kulturvergleichenden Perspektive.

Der Terminus Sprachkritik ist in der Germanistik verankert, kritische Sprachreflexion wird aber nicht nur im Deutschen betrieben. Daher untersuchen wir Sprachkritik am Beispiel von zunächst fünf Sprachen – dem Deutschen, Englischen, Französischen, Italienischen und Kroatischen.

Die Ergebnisse werden der sprachinteressierten Öffentlichkeit auf dieser multilingualen und multimodalen Plattform zugänglich gemacht. Den Leserinnen und Lesern wird über einzelsprachige und sprachvergleichende Artikel auf dieser Online-Plattform ein Einblick in das breite Spektrum der Sprachreflexion und Sprachkritik im vergangenen und gegenwärtigen Europa gegeben.

Die übergeordnete Zielsetzung, eine europäische Sprachkritik als Disziplin national wie international zu etablieren, bedeutet für uns konkret:

  1. Eine europäische Sprachkritik auf der Basis nationalsprachlicher Sprachkritiken zu entwickeln, indem Artikel zu sprachkritischen Themen sowohl aus einzelsprachlicher als auch aus sprachvergleichender Perspektive zusammengeführt und auf unserer Online-Plattform präsentiert und in unserem Online-Handbuch präsentiert werden.
  2. Damit geht eine systematische Aufarbeitung des wissenschaftlichen sowie des nichtwissenschaftlichen Diskurses zu sprachkritischen Themen einher, und zwar für alle am Projekt beteiligten Philologien.
  3. Davon ausgehend sollen die Korrelationen zwischen Sprache(n) und Identität(en) über differenzierte Analysen sprachkritischer Diskurse ergründet werden, orientiert an Termini, Konzepten, Protagonisten, Institutionen, Schriften und Quellen mit sprachkritischer Schlüsselfunktion.
  4. Die Forschungsergebnisse werden auf dieser multilingualen und multimodalen Online-Plattform einer akademischen, an einzelsprachlichen sowie sprachvergleichenden Fragen der Sprachkritik interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Online-Plattform dient ferner (in einem nicht öffentlich zugänglichen Arbeitsbereich) der Vernetzung mit den (inter)nationalen Expertinnen und Experten sowie dem Austausch und der Bereitstellung aktueller Daten und Forschungsergebnisse innerhalb des Verbundprojekts (virtuelle Forschungsumgebung). Eine zitierfähige Publikation erfolgt über das Online-Handbuch.
  5. Die Projektgruppe setzt sich zum einen durch Forscherinnen und Forschern aus dem In- und Ausland zusammen. Zum anderen wird das Projekt von ca. fünfzehn Nachwuchswissenschaftlern und Nachwuchswissenschaftlerinnen getragen. Die intensive Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist integraler Bestandteil des Projekts.
  6. Die vertiefte internationale Vernetzung und Kooperation mit herausragenden Forscherinnen und Forschern im (bislang) europäischen Raum war und wird für die Projektarbeit stets konstitutiv sein.

Die Methode des Projekts lässt sich wie folgt skizzieren: Ausgehend von der Forschung in der germanistischen Sprachkritik wurde eine Liste sprachkritischer Schlüsselwörter erstellt. Diese Liste war die Ausgangslage und der Grundstock für die anderen am Projekt beteiligten Philologien. Davon ausgehend sammelten sie sprachkritisch relevante Schlüsselwörter für ihre Sprache. Hierbei war wichtig, dass die so erstellte Liste von englischen, italienischen, französischen und kroatischen Schlüsselwörtern nicht durch reine Übersetzung der deutschen Schlüsselwörter erfolgte, sondern die jeweilige Liste die in der jeweiligen Sprachkultur stattfindenden Sprachkritikdiskurse adäquat erfasst. Wenn eine Sprachkultur nicht über den in einer anderen Sprachkultur etablierten Terminus verfügt, wurde das Schlüsselwort übersetzt. Um dem Problem der zum Teil mangelnden Vergleichbarkeit beizukommen, hat die Projektgruppe übergeordnete Konzepte etabliert. Mittlerweile wird die Liste nicht nur vom Deutschen, sondern auch vom Englischen, Französischen, Italienischen und Kroatischen ausgehend erweitert. Auf diese Weise versucht die Projektgruppe den verschiedenen ausdrucks- und inhaltsseitigen Ausprägungen in den Sprachkulturen Rechnung zu tragen. Das Ziel ist demnach, im Handbuch Europäische Sprachkritik Online” (HESO) eine Konzeptgeschichte der europäischen Sprachkritik zu europäisch interessanten und relevanten Themen zu präsentieren.