Sprachkritik Gesellschaftskritisch

In dieser Rubrik kommentieren Autoren des ESO-Projektes aus linguistisch-sprachkritischer Sicht aktuelle gesellschaftliche Diskurse, die Sprache und den Gebrauch von Sprache diskutieren. In diesen öffentlich geführten Diskursen wird zum einen Sprache als Mittel der Kommunikation, der Wirklichkeitsdarstellung, der Sachverhaltskonstitution oder etwa als Instrument zur Machtausübung reflektiert. Zum anderen werden in ihnen gesellschaftliche Themen über sprachliche Zeichen verhandelt, was die Diskursbeiträge wiederum selbst zum Gegenstand sprachkritischer Reflexionen werden lässt. In ihnen zeigt sich, wie Sprachkulturen durch ihren Sprachgebrauch Haltungen, Denkweisen und Konzepte ausdrücken, reproduzieren und konstituieren. 


Aktuelle Beiträge:

Johannes Funk/Katharina Jacob/Luisa Larsen/Maria Mast/Verena Weiland/Kathrin Wenz

Negerkönig oder Südseekönig? Eine linguistisch-sprachkritische Stellungnahme

1 Von der gesellschaftlichen Debatte zur wissenschaftlichen Reflexion (Katharina Jacob)

Rassismus ist eine Gesinnung, die schafft man nicht ab, wenn man Worte abschafft.
(DER TAGESSPIEGEL 27.01.2013)

Die Worte tun ihre Wirkung, auch wenn sie nicht in böser Absicht ausgesprochen werden.
(DER TAGESSPIEGEL 18.01.2013)

Bei Wörtern, auch den bösen, kommt es immer auf den Zusammenhang an, in dem sie verwendet werden.
(DER TAGESSPIEGEL 20.01.2013)

Zitate dieser Art zeigen, dass die Debatte um diskriminierende Begriffe in der Kinder‐ und Jugendliteratur die Gemüter erhitzt – und das nicht erst seit der im Januar 2013 entflammten Kontroverse um den Negerkönig in „Pippi Langstrumpf“. Begriffe in der Kinder‐ und Jugendliteratur lösen heftige Diskussionen in der Medienberichterstattung aus – die Gesellschaft betreibt Sprachkritik.
Es gibt Stimmen, die sich dafür aussprechen, Textpassagen, in denen diskriminierende Worte und Gedanken zum Ausdruck kommen, zu streichen. Andere fordern, diese Textpassagen umzuwandeln oder Ausdrücke wie Negerkönig zu streichen und durch Südseekönig zu ersetzen. Es werden aber auch Stimmen laut, welche die Künstlerfreiheit der Autoren wahren, den Text als Kunstform respektieren und die Kinder beim Lesen eher kommentierend und erläuternd sensibilisieren wollen. Die Gesellschaft fragt sich also: Sollen wir diskriminierende Ausdrücke aus der Kinder‐ und Jugendliteratur streichen, ersetzen, beibehalten oder kommentieren (bzw. erläutern)?
Da sich zu dieser Debatte bislang kaum Stimmen aus der (Sprach‐)Wissenschaft geäußert haben, nehmen wir dies zum Anlass, unsere Sicht darauf darzulegen – denn auch die Sprachwissenschaft betreibt Sprachkritik.
Wir sind Stipendiaten, Kollegiaten und Mitarbeiter im Projekt Europäische Sprachkritik Online (ESO), welches im Rahmen des Europäischen Zentrums für Sprachwissenschaften (EZS) (http://www.ezs‐online.de) Sprachkritik sprachvergleichend untersucht. Jeder von uns wird nun seine linguistisch‐ sprachkritische Perspektive auf die Debatte darlegen. Mit einer linguistisch‐sprachkritischen Empfehlung, die eine Zusammenfassung unserer Stellungnahme darstellt, werden wir unseren Beitrag abschließen.

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J. Funk/ K. Jacob/ L. Larsen/ M. Mast/ V. Weiland/ K. Wenz – Negerkönig oder Südseekönig? Eine linguistisch-sprachkritische Stellungnahme

 

Kathrin Wenz

Professoren und Professorinnen – ein Fall für die feministische Sprachkritik?

In den letzten Wochen wurde in der Presse berichtet, dass an der Universität Leipzig von nun an die generische Bezeichnung für männliche und weibliche Professoren die grammatisch weibliche Form Professorin ist. Auch an der Universität Potsdam ist diese Regelung eingeführt worden (vgl. Artikel Berliner Zeitung, Spiegel Online 4.6., 5.6.2013). Die Universitätssprecherin Mangelsdorf von Potsdam erklärt die Entscheidung zum einen mit der besseren Lesbarkeit. Zum anderen sei die Arbeitsgruppe, die den Vorschlag ausgearbeitet hatte, der Meinung, „dass nach Jahrhunderten einer vom patriarchalischen Denken geprägten Sprache die Zeit reif für eine durchgehend weibliche Bezeichnung ist“ (Artikel Tagesspiegel 4.7.2013). Diese Entscheidungen haben heftige Reaktionen ausgelöst. Feministinnen begrüßen die Regelung und sehen dies als wichtigen Schritt zu einem gerechteren sprachlichen Umgang. Kritiker hingegen halten die Entscheidung für sinnlos und sind der Meinung, dass dies nichts an der tatsächlichen Diskriminierung von Frauen ändere. Dies ist nun das aktuellste Beispiel für eine schon seit den 80er Jahren andauernde Diskussion um die Frage der sprachlichen Gleichberechtigung bei Anrede und Berufsbezeichnungen für Männer und Frauen.

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K. Wenz – Professoren und Professorinnen – ein Fall für die feministische Sprachkritik_